Bildungsnetzwerk BiNE Seetal – «Wir müssen die Leute fördern – egal auf welcher Stufe sie sind»

Im neuen Bildungsnetzwerk BiNE Seetal haben drei Pflegeinstitutionen gemeinsam einen Kurs für Grundkompetenzen durchgeführt. Im Interview erklärt BiNE-Geschäftsleiterin Irene Pfyl Werlen, wie es dazu kam, was den Kurs besonders macht – und warum die Grundkompetenzen ein Schlüssel zur Mitarbeiterbindung und -förderung sind.

Frau Pfyl, wozu wurde das Bildungsnetzwerk BiNE Seetal gegründet?
Pflegeinstitutionen haben den Auftrag, genügend Ausbildungsplätze zu schaffen, um die Versorgung in der Pflege in unserer Region längerfristig sicherzustellen. Dazu gibt es eine Ausbildungsverpflichtung des Kantons. Eine umfassende Studie zeigte, dass wir dies am besten in einem Netzwerk bewältigen können. So ist es zum Zusammenschluss von acht Institutionen aus der Langzeitpflege und der Spitex im Bildungsnetzwerk BiNE Seetal gekommen.

Welchen Stellenwert hat die Förderung der Grundkompetenzen dabei?
Einen hohen. Unser übergeordnetes Ziel im BiNE Seetal ist zwar die Förderung von Ausbildungen auf dem Niveau der Höheren Fachschulen. Aber das allein reicht nicht. Denn für uns stellt sich auch die Frage, wie wir bestehende Mitarbeitende halten und weiterentwickeln können. Für mich war von Anfang an klar: Wir müssen alle Leute mitnehmen, die wir haben, egal, auf welcher Stufe sie sind.
Ich setzte mich mit Adrian Wyss von XUND, dem Bildungszentrum Gesundheit in der Zentralschweiz, zusammen und schaute: Was können wir für unsere Leute an der Basis tun, für das Hilfspersonal in Küche, Reinigung und Pflege? XUND hat bereits ein Kursangebot zur Förderung der Grundkompetenzen entwickelt. Dieses haben wir gemeinsam an unseren Bedarf angepasst.

Welche Ziele verfolgten Sie mit dem Kurs?
Wir möchten Mitarbeitenden, die Mühe mit der Sprache oder mit dem Computer und digitalen Tools haben, den Arbeitsalltag erleichtern. Aber gleichzeitig ging es um mehr: Wir wollen unseren Mitarbeitenden an der Basis unsere Wertschätzung zeigen, sie fördern und in ihrer Entwicklung begleiten. Zudem haben wir mit dem Kurs neue Formen der Zusammenarbeit erprobt. Wir führten den Sammelkurs mit drei Häusern aus dem Netzwerk durch, rotierend an den verschiedenen Standorten. Wir haben alle Berufsgruppen eingeladen. Und wir unterrichteten gemeinsam mit XUND im Co-Teaching mit je einer Ausbildungsverantwortlichen aus dem jeweiligen Haus.

Das klingt nach viel Koordination.
Wir fanden die Idee toll und sind deshalb einfach reingesprungen – ohne genau zu wissen, wie gross der Aufwand ist. Vor allem bei der Vorbereitung durch die Teamleitenden wurde es dann aber tatsächlich teilweise schwierig, in dem engen Zeitrahmen die zusätzliche Arbeit im «Alltagsgschtürm» unterzubringen. Das sollte man von Anfang an gut einkalkulieren.

Wie haben Sie die Teilnehmenden ausgewählt?
Die Auswahl machten die Teamleitenden. Dafür machten wir sie zuerst mit der Idee der Grundkompetenzen vertraut. Sie überlegten sich dann, wer in ihrem Haus von der Förderung profitieren könnte und sprachen die Ausgewählten direkt an: «Wäre das etwas für Dich, möchtest Du es probieren»? Die Reaktionen waren überwiegend positiv. Für die Auswahl war das individuelle Interesse entscheidend. Wer nicht wollte, wurde nicht zum Kurs verknurrt.

Und welche Themen sprechen Sie in dem Kurs an?
XUND hat nach der GO-Methode eine Bedarfsanalyse erarbeitet und hat so die Themen passgenau nach dem Förderbedarf bestimmt. Dafür mussten die Teamleitungen für jede Person einen Fragebogen ausfüllen. Mit einem vorgegebenen Raster konnten sie sich gezielt überlegen, welche Förderung für eine Person an ihrem Arbeitsplatz sinnvoll ist. XUND besuchte auch die Betriebe und sammelte Materialien vor Ort – Arbeitsanweisungen, Abläufe, technische Hilfsmittel. So wurden die Kursinhalte praxisnah entwickelt und zum Teil sogar für jede Person individualisiert.

Was war das Ergebnis dieser Bedarfsanalyse durch XUND?
Es meldeten sich Leute an, für die Sprachschwierigkeiten und Kommunikation im Arbeitsalltag im Vordergrund stehen – Gespräche im Team, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern, Formulierungen für Mails oder Berichte.
Andere haben Berührungsängste mit digitalen Hilfsmitteln – sie merken aber, dass es für sie gut wäre, wenn sie beispielsweise den Care-Coach für die Pflegedokumentation besser nutzen könnten, oder dass der bessere Umgang mit dem Computer für sie auch privat hilfreich wäre.
In der Pflege ist nicht nur der Wortschatz wichtig. Man muss in schwierigen Situationen auch richtig reagieren oder in Mitarbeitergesprächen seine Bedürfnisse klar formulieren können. So trainierten wir im Kurs auch die Auftrittskompetenz.

Wie wurde der Kurs dann umgesetzt?
Wir haben den Kurs an sechs Halbtagen durchgeführt, insgesamt waren es 24 Lektionen. Es nahmen 21 Leute teil, die Gruppe zirkulierte dann abwechselnd in eines der drei teilnehmenden Häuser. Wir haben die Berufsgruppen gemischt und haben darauf geachtet, dass möglichst Leute zusammenarbeiten, die sich noch nicht kannten. Ein ganz neues Element war das bereits erwähnte Co-Teaching: Die Kursleiterin Gudrun Link von XUND unterrichtete an jedem Standort gemeinsam mit einer Ausbildungsverantwortlichen aus dem Haus.

Wie entstand die Idee für das Co-Teaching, und wie bewährte sich das Modell?
Ein Grund dafür war rein organisatorisch: Die maximale Gruppengrösse im Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» ist 12 Personen. Das Co-Teaching ermöglichte es uns, gleich zwei Gruppen parallel zu führen. Wir wollten zudem in jedem Haus eine Person, die die Fäden zusammenhält und die zentrale Ansprechperson ist.

Was ist ihr Fazit aus dem Pilotkurs?
Die Mitarbeitenden erlebten den Kurs während der Arbeitszeit ganz klar als Wertschätzung. Sie schätzten auch, dass ihre aktuellen Fragestellungen im Kurs aufgenommen wurden – die geplanten Lektionen wurden nicht einfach stur verfolgt.
So ein Projekt bringt uns auch als Netzwerk näher zusammen: einerseits die verschiedenen Häuser, andererseits die Berufsgruppen, die Alterdurchmischung und die Teilnehmenden mit ihren unterschiedlichen Kulturen. Es war uns wichtig, dass auch ältere Mitarbeitende, die schon länger in den Betrieben arbeiten – und auch Personen, die in der Schweiz aufgewachsen sind – am Kurs teilnehmen. Das hat gut funktioniert.
Die Zusammenarbeit von XUND im Co-Teaching mit den Verantwortlichen in unseren Institutionen bedingte gute vorgängige Absprachen. Es war sinnvoll und hilfreich, dass wir das Kursangebot von XUND nutzen konnten. XUND hat sich auch um das Gesuch und die Abrechnung der Fördergelder mit dem Bund gekümmert, das war entlastend.

Wie geht es bei BiNE nach dem Pilotprojekt mit den Grundkompetenzen weiter?
Wir werten gerade die Rückmeldungen aus und überlegen, wie ein Folgeangebot aussehen könnte. Dazu tauschen wir uns im Netzwerk aus. Wir treffen uns regelmässig – mit den Ausbildungsverantwortlichen etwa viermal im Jahr. Die Pflegedienstleitenden sind eingebunden und haben eine Schlüsselfunktion im Projekt «Einfach besser… am Arbeitsplatz». Wir können uns für die künftigen Kurse auch neue Formate vorstellen, das ist noch offen.
Zum Abschluss organisierten wir im Kurs zudem eine Bildungswerkstatt. Wir zeigten auf, welche Anschlusskurse die Leute besuchen könnten und stellten beispielsweise die Website für die Kurse für Grundkompetenzen mit den Bildungsgutscheinen im Kanton Luzern vor – oder welche weiteren Entwicklungsmöglichkeiten es in den verschiedenen Berufen gibt. Dafür bieten wir im Bildungsnetzwerk BiNE auch individuelle Beratungen an. Die Leute können sich zudem jederzeit an die Ausbildungsverantwortlichen im Haus wenden und werden weiter unterstützt und begleitet.

Irene Pfyl Werlen ist Geschäftsleiterin im Bildungsnetzwerk BiNE Seetal. Sie hat mitgeholfen, den Trägerverein BiNE im Kanton Luzern aufzubauen und hat den Pilotkurs für die Grundkompetenzen gemeinsam mit drei Häusern aus dem Bildungsnetzwerk und dem XUND Bildungszentrum Gesundheit der Zentralschweiz organisiert. Foto: © Christine Bärlocher, SVEB


Das sagen Teilnehmende zum BiNE Kurs für Grundkompetenzen

Bea Huber (58), Mitarbeiterin Pflege SRK, hat im Kurs den Mut gefunden, den PC wieder zu nutzen. Das erleichtert ihren Arbeitsalltag. Mehr dazu

Maberawi Desta (39), Mitarbeiter Pflege SRK, konnte im Kurs seine sprachlichen Fähigkeiten und Computerkenntnisse erweitern – das ist für Ihn ein erster Schritt für die Ausbildung zum Berufsabschluss für Erwachsene als Fachmann Gesundheit EFZ. Hier weiterlesen


Die Kooperationspartner: Bildungsnetzwerk BiNE Seetal und XUND

Das Bildungsnetzwerk BiNE Seetal wird von acht Institutionen aus Langzeitpflege und Spitex getragen. Ziel ist es, mehr Ausbildungsplätze für die Pflege zu schaffen und bestehende Mitarbeitende gezielt zu fördern. Durch die Zusammenarbeit können auch kleinere Betriebe Bildungsangebote umsetzen. Der Trägerverein wurde im März 2025 gegründet. Der Grundkompetenzkurs mit XUND war eines der ersten betriebsübergreifenden Projekte mit drei teilnehmenden Häusern.
https://bine.ch/

XUND steht sowohl für die Organisation der Arbeitswelt (OdA) als auch für das Bildungszentrum Gesundheit der Zentralschweiz. Regionale Alters- und Pflegezentren, Spitälern und Spitex-Organisationen sowie deren Branchenverbände sind die Träger. XUND entwickelte im Rahmen des Förderprogramms «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» den Kurs Förderung der Grundkompetenzen, der allen interessierten Gesundheitsinstitutionen in der Zentralschweiz offen steht.
https://xund.ch/das-ist-xund/


Möchten Sie einen Kurs für Grundkompetenzen für Ihre Mitarbeitenden organisieren?

Das nationale Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» unterstützt Kurse für Grundkompetenzen in Betrieben in der ganzen Schweiz und für alle Branchen. Auch Branchenverbände oder Organisation der Arbeitswelt (OdAs) können Gesuche stellen.
Informationen zu der Finanzierung

Die Betriebe sind grundsätzlich frei in der Wahl des Anbieters und können die Kursinhalte selbst bestimmen – auch interne Kursangebote sind möglich. Erfahrene Anbieter aus der Region unterstützen Sie dabei gerne.
Hier finden Sie Anbieter für Ihren Standort

Sind Sie eine Gesundheitsinstitution in der Zentralschweiz? XUND kann Sie in der Entwicklung ihres individuellen Kurses für Grundkompetenzen unterstützen und stellt für Sie auch das Gesuch für die Förderung beim Bund. Für kleine Betriebe sind auch Sammelkurse möglich.
Zum XUND Kurs Förderung der Grundkompetenzen


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