Mitarbeitende in der Hotellerie-Hauswirtschaft im Hotel Glockenhof.

Hotel Glockenhof Zürich – «Ich möchte Türen öffnen» 

Im Hotel Glockenhof Zürich können Mitarbeitende jedes Jahr einen firmeninternen Deutschkurs besuchen – seit mehr als 20 Jahren. Die HR-Leiterin Karin Ambler erzählt, was diese Förderung der Mitarbeitenden für sie bedeutet.

«Als ich im Hotel Glockenhof angefangen habe, beobachtete ich Mitarbeitende, die zusammen am Mittagstisch sassen, aber kaum miteinander sprechen konnten. Ich erkannte auch, dass einige von ihnen wegen der fehlenden Sprachkenntnisse ihr Potenzial im Job viel zu wenig nutzen konnten.

Dabei wurde mir schnell klar: Es fehlt nicht an der Motivation, sondern am Zugang zu Bildung. Viele hatten aus familiären Gründen kaum Möglichkeiten, einen Kurs zu besuchen. Oder sie wussten nicht, dass man auch als Erwachsener «zur Schule» gehen kann. Sie kennen das Bildungssystem nicht – und sie können auch nicht wissen, wonach sie genau suchen sollten. Da wollte ich eine Türe öffnen.

Ich dachte mir: Wenn ich eine Lehrperson finde, die unsere Leute direkt im Betrieb «abholen» kann, mit dem Vokabular, das sie im Alltag brauchen, kann es einen Aufbau geben. Die meisten unserer Mitarbeitenden im Housekeeping sind ungelernt. Sie lernen ihren Job bei uns – auf der Etage, am Buffet oder in der Lingerie, nach dem Prinzip «Learning by Doing». Warum also nicht auch die Sprache im Betrieb lernen?

Mitarbeitende des Hotel Glockenhof während des firmeninternen Deutschkurses.
«Es fehlt nicht an der Motivation, sondern am Zugang zu Bildung.»
Karin Ambler, Leiterin Human Resources

Seither gehören die firmeninternen Deutschkurse zu unserer Unternehmenskultur. Es gibt sogar Leute, die bei uns anfangen und fragen: «Wann ist der Deutschkurs?»

Es gibt viele Gründe, warum sich jemand traut, etwas zu sagen oder nicht. Nach unserer Erfahrung ist das vertraute Umfeld wichtig für den Lernerfolg. Der Betrieb ist für viele Leute ein wenig wie ein Zuhause.

Auch die Zusammensetzung der Gruppe ist entscheidend. Einmal mischte ich in einer Gruppe Frauen und Männer und stellte fest: Die Frauen sagten nichts mehr. Seither achten wir mehr auf diese Dynamik.

Individuell fördern – ohne Zwang

Mir ist es wichtig, dass wir als Arbeitgeber die Mitarbeitenden individuell begleiten und unterstützen. Ich frage bei jedem Mitarbeitergespräch: «Was möchtest du? Was ist dein nächster Schritt?»

Für einige ist unser Kurs der Türöffner für die weitere berufliche Entwicklung. Pro Jahr machen ein bis zwei Mitarbeitende das Branchenzertifikat Progresso1. Weitere ein bis zwei Personen holen einen Berufsabschluss nach, das EBA in Hauswirtschaft-Hotellerie oder sogar das EFZ – das ist jedoch ein anspruchsvoller Weg.

Es gibt Mitarbeitende, die arbeiten schon seit 28 Jahren bei uns. Jedes Jahr spreche ich sie auf den Deutschkurs an, aber sie möchten daran nicht teilnehmen. Das akzeptiere ich. Es soll kein Zwang sein. Andere kommen jedes Jahr gerne wieder in den Kurs.

Auch kleine Erfolge zählen

Die Fortschritte in den Kursen sind sehr unterschiedlich. Eine Person lernt während des Kurses drei Worte, eine andere 30. Für mich zählen auch die kleinen Fortschritte. Mir geht es auch nicht nur um den messbaren Erfolg im Spracherwerb. Ich möchte, dass unsere Mitarbeitenden miteinander in Beziehung treten können.

Wir haben Mitarbeitende, die eine Zeit lang lieber mit einem Online-Training lernen. Oft kommen sie im nächsten Jahr gerne wieder in den Kurs, weil sie merken: Das gemeinsame Lernen motiviert.

Mehr als Personalentwicklung

Rückblickend erfüllt der Kurs für mich zwei gleichwertige Aspekte: Die Leute erlernen die Sprache in dem Mass, das sie gerade brauchen. Der andere ist, dass Arbeitskolleginnen und -kollegen, die sich wegen der unterschiedlichen Arbeitszeiten sonst nie sehen, Zeit und Raum erhalten, um sich zu einem neutralen gemeinsamen Thema auseinanderzusetzen. Der Kurs hat den Teamgeist enorm gestärkt.

Zunächst sah ich die Sprachförderung in erster Linie als Teil der Personalentwicklung. Mittlerweile gehören die Kurse für mich auch zum betrieblichen Gesundheitsmanagement: Wer sich am Arbeitsplatz verständigen kann, fühlt sich sicherer, verstanden und als Teil des Teams. Mit dem Kurs drücken wir auch unsere Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden aus.»

  1. Lehrgänge für das Branchenzertifikat Progresso sind ein Grundangebot für Mitarbeitende ohne formellen Berufsabschluss im Gastgewerbe in verschiedenen Fachrichtungen. Sie dauern 25 Tage und werden über den L-GAV Gastgewerbe finanziert. Genügende mündliche und schriftliche Grundkenntnisse werden vorausgesetzt.  ↩︎
Karin Ambler, Leiterin Human Resources im Hotel Glockenhof Zürich.

Karin Ambler ist Leiterin Human Resources im Hotel Glockenhof Zürich. Sie führte schon vor mehr als 20 Jahren firmeninterne Kurse für die Sprachförderung ein. Damit hat sie bereits vielen Mitarbeitenden Türen für die weitere Entwicklung geöffnet.


«Ein Kurs, viele persönliche Ziele»

Was bedeutet der Deutschkurs für die Mitarbeitenden selbst? Baresa Krasniqi, Carmo Vargas und Yuliia Litvin erzählen, wie sie den Kurs im Hotel Glockenhof erleben und welche persönlichen Ziele sie damit verfolgen. Artikel lesen

Bild: Baresa Krasniqi, Mitarbeiterin Hotellerie-Hauswirtschaft, übt gemeinsam mit Kolleginnen deutsche Begriffe aus ihrem Arbeitsalltag.

Baresa Krasniqi, Mitarbeiterin Hotellerie-Hauswirtschaf, übt im Deutschkurs gemeinsam mit Kolleginnen Begriffe aus ihrem Arbeitsalltag.

Weiterbildung, die wirkt – unterstützt von Bund und Kantonen

Im Hotel Glockenhof werden ausgewählte Kurse seit 2026 durch das Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» finanziell unterstützt.

Möchten Sie in Ihrem Betrieb ähnliche Kurse umsetzen? Hier finden Sie die Informationen zum Vorgehen und den Fördermöglichkeiten. Kursanbietende aus Ihrer Region und nach Ihrer Wahl beraten und begleiten Sie in der Umsetzung der Kurse.


Unternehmen: Hotel Glockenhof Zürich
Kursanbieterin: Professional Language Center
Interview und Text: Christine Bärlocher, SVEB Schweizerischer Verband für Weiterbildung
Alle Fotos: © Christine Bärlocher, SVEB

© 2026 «Einfach besser! … am Arbeitsplatz