«Ich habe mich wieder an den Laptop gewagt» – Mitarbeiterin Pflege (58), Bildungsnetzwerk BiNE Seetal

Die Arbeit am Computer ist gerade für ältere Mitarbeitende nicht immer einfach. Die Mitarbeiterin Pflege Bea Huber (58) erzählt, wie ein Kurs für Grundkompetenzen des Bildungsnetzwerks BiNE Seetal ihr Selbstvertrauen dafür wieder stärkte.

«Ich habe erst als 50-Jährige in der Pflege angefangen. Dafür habe ich eine Umschulung gemacht – ich bin stolz auf meinen Quereinstieg! Seit vier Jahren bin ich im Alterszentrum Chrüzmatt für die Bewohnerinnen und Bewohner da. Mir ist es wichtig, dass sie es gut haben. Es ist der letzte Abschnitt in ihrem Leben.

Pflegeleistungen digital erfassen – für alle nachvollziehbar

Pro Tag kümmern sich drei bis vier verschiedene Pflegende um die gleiche Person. Deshalb müssen wir unsere Beobachtungen immer gut dokumentieren: Was hat sich verändert, was ist gleichgeblieben? Ich schaue zum Beispiel auf dem Handy nach, wie der Blutdruck und der Puls bei jemandem ist oder trage Daten dazu ein für die Ärztin. Die Dokumentation von all diesen Leistungen braucht es auch für die Einstufung bei der Krankenkasse – damit wir nicht eine Stunde pflegen, aber nur zehn Minuten verrechnet werden. Schwer pflegebedürftige Personen pflege ich im Bett. Bei anderen helfe ich nur, die Strümpfe anzuziehen, oder ich räume das Zimmer auf.

Nach zehn Jahren zurück am Computer

Ich mache fast alles am Handy, nur selten am Computer. Für die Dokumentation kann ich einiges nur anklicken, anderes muss ich mit eigenen Worten schreiben. Mit den Formulierungen und der Rechtschreibung habe ich keine Probleme, da kann ich sogar den anderen helfen. Aber wenn ich etwas am PC suchen oder eintragen soll, habe ich immer Angst, dass ich aus Versehen etwas lösche. Auch mit dem Anmelden habe ich Mühe. Ich habe es früher zwar gelernt. Aber ich habe zehn Jahre lang nichts mehr am PC gemacht. Bei meiner Arbeit in der Zustellung bei der Post brauchte ich das nicht, und zu Hause habe ich keinen Computer.

Ich habe die obligatorische Schule und eine Lehre gemacht, aber ich ging nie gerne zur Schule – schon als Kind nicht. Am Anfang war ich gar nicht begeistert, als ich hörte, dass mich meine Chefin zu dem Kurs angemeldet hat. Ich konnte mir nicht recht vorstellen, worum es geht. Aber ich sagte mir: Lass Dich überraschen.

Und siehe da: Ich habe im Kurs Mut gefasst und habe mich an den Laptop gesetzt. Ich gehe jetzt auch in unserer Abteilung immer mal wieder an den PC. Auch meine Chefin hat das bemerkt. Zu Hause will ich aber weiterhin keinen Computer.

Einblick in den Arbeitsalltag anderer Teams

Mir hat gut gefallen, dass die Gruppe so richtig zusammengewürfelt war. Den Teil mit den Formulierungen für E-Mails oder der Kommunikation in schwierigen Situationen brauchte ich eigentlich nicht. Aber ich konnte im Kurs zuhören und erfahren, was die Pflegende aus anderen Häusern und die anderen Berufsgruppen beschäftigt. Während der Arbeit haben wir nicht die Zeit, mit unserer Putzequipe oder anderen Pflegeabteilungen zu sprechen.»

Bea Huber (58) ist Pflegehelferin SRK im Alterszentrum Chrüzmatt-Hitzkirch.

Sie absolvierte mit 50 Jahren berufsbegleitend zu einem Praktikum die Ausbildung zur Pflegehelferin SRK. Seit vier Jahren arbeitet sie im Alterszentrum Chrüzmatt in Hitzkirch, das Teil des Bildungsnetzwerks BiNE Seetal ist. Zuvor war sie viele Jahre bei der Post in der Zustellung tätig.

Mit dem Kurs für Grundkompetenzen hat Bea Huber den PC neu entdeckt – und neues Selbstvertrauen gewonnen.


Das Bildungsnetzwerk BiNE fördert die Grundkompetenzen in Pflegeeinrichtungen im Luzerner Seetal

Da Bildungsnetzwerk BiNE Seetal organisierte den Kurs «Förderung der Grundkompetenzen am Arbeitsplatz» in Zusammenarbeit mit XUND. An dem Sammelkurs beteiligten sich drei Pflegeeinrichtungen aus der Luzerner Region Seetal mit rund 21 Teilnehmenden. Der Kurs ist insbesondere als Wertschätzung von Mitarbeitenden an der Basis gedacht, für die es sonst kaum Bildungsangebote gibt – in der Reinigung, Hauswirtschaft, Küche und Pflege. Mit dem Kurs konnten auch ältere Mitarbeitende erreicht werden, die Mühe haben mit dem Computer. Der Kurs fand an 6 Halbtagen während 24 Lektionen statt und galt als Arbeitszeit. Für einige ist der Kurs ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Berufsabschluss für Erwachsene.

Lesen Sie auch die persönliche Weiterbildungsgeschichte des Mitarbeiters Pflege SRK Mahberawi Desta.

Wie das Bildungsnetzwerk BiNE die Förderung von Grundkompetenzen praktisch umsetzt, erklärt Geschäftsführerin Irene Pfyl Werlen im Interview.

Bund und Kantone übernehmen mit dem Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» einen Teil der Kosten für Kurse für Grundkompetenzen in Betrieben. Das Programm eignet sich für alle Branchen und Betriebsgrössen. Organisationen der Arbeit können ebenfalls Gesuche einreichen – und Sammelkurse für kleinere Betriebe organisieren, wie in diesem Beispiel.


Themenbild: Bea Huber (li) und Mahberawi Desta (re), Mitarbeitende Pflege SRK, im Kurs für Grundkompetenzen des Bildungsnetzwerks BiNE Seetal in Hochdorf.

Text und Fotos: © SVEB, Christine Bärlocher


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