Pistor AG – «Wo Sprache wirkt, wächst die Unternehmenskultur»
Im Logistikzentrum der Pistor AG bewirkte ein betriebsinterner Deutschkurs mehr als nur ein besseres Vokabular: Er sorgte für mehr Offenheit, Selbstvertrauen und neue Perspektiven für die Mitarbeitenden.
Bild: Matthias Fritschy (li), Abteilungsleiter, und Carlos Teixeiera (re), Mitarbeiter Logistik, im Logistikzentrum der Pistor AG in Rothenburg, Kanton Luzern. Foto: Pawel Streit
Gabelstapler kreisen, Scanner piepen – doch manchmal fehlen die Worte. Wer das Warenumschlagszentrum der Pistor AG betritt, droht sich schnell in den endlosen Regalreihen voller Paletten zu verirren. Die Chance ist gross, dass hier Carlos Teixeira lächelnd auf seinem Gabelstapler um die Ecke kommt, freundlich grüsst und einem weiterhilft. So wie es hier das gesamte Team tun würde: Man macht Spässe, hilft einander und kennt die Abläufe.
Der Teamgeist ist spürbar – und unabdingbar für das Funktionieren dieser gut eingespielten Logistikabteilung. Das setzt mehr als nur Arbeitskleidung und moderne Technik voraus: Es braucht Sprache – und das Verständnis dafür. In einer sich verändernden Belegschaft, die aus unterschiedlichen Kulturen und einer Vielzahl an Sprachniveaus besteht, stellt dies jedoch eine wachsende Herausforderung dar.
Mut fassen und nachfragen
Der Kursteilnehmer Carlos Teixeira erzählt, wie schwer es ihm manchmal fällt, andere zu verstehen. Sinnbildlich erinnert sich der gebürtige Portugiese beispielsweise daran, wie er einmal viel Zeit damit verbrachte, vergeblich nach einer Palette mit Kirschen zu suchen, wo doch eigentlich eine Palette mit Kisten gemeint gewesen war. Früher traute er sich in solchen Situationen nicht nachzufragen – heute jedoch schon.
Das kommt nicht von ungefähr: «Bei Pistor erkannte man breiten Handlungsbedarf», sagt Matthias Fritschy, Abteilungsleiter der Logistikabteilung mit rund 70 Mitarbeitenden. Man beschloss, einen auf die eigenen Bedürfnisse massgeschneiderten Deutschkurs als Pilotprojekt anzubieten. Der Kurs sollte dabei niederschwellig durchgeführt werden: Freiwillig, vor Ort, während der Arbeitszeit und mit bekannten Gesichtern aus dem Arbeitsumfeld.
Rollenspiel und Online-Quiz
Wer bei dem Deutschkurs an Frontalunterricht denkt, liegt hier falsch. Der sichtbar stolze Kursteilnehmer Carlos Teixeira schwärmt davon, wie abwechslungsreich und interaktiv die Lektionen gestaltet wurden. Zwar lag der Fokus auf dem gemeinsamen Erarbeiten von internen Formularen und Merkblättern. Doch wiederkehrende Gruppenarbeiten mit Rollenspielen aus dem Arbeitsalltag sorgten für die nötige Auflockerung des Unterrichts.
So konnten auch die sprachlich Schwächsten aktiv eingebunden und unterstützt werden – was in einer Gruppe mit stark unterschiedlichen Sprachniveaus nicht einfach ist. Den prägendsten Eindruck hinterliess bei Teixeira das Online-Quiz, mit dem die neuen Kenntnisse gezielt abgefragt wurden. Es lieferte ihm den emotionalen Ansporn, sich stetig weiter zu verbessern: «Ich wurde nur Vierter. Nächstes Mal will ich besser sein!», erzählt Teixeira. Hier liegt eine Stärke der firmeninternen Kurse für Grundkompetenzen. Über die Sprache hinaus bauen sie den Mut und die Motivation auf, Unklarheiten einzugestehen und aus Fehlern zu lernen.
Sprachhürden verbergen Potenzial
Die positiven Dynamiken bei den Einzelnen wie auch in der Gruppe beeindrucken den Abteilungsleiter Matthias Fritschy: «Grundsätzlich war der Kurs für mich ein voller Erfolg. Wir hatten zwölf Teilnehmer mit einem guten Groove. Wir bekamen viele positive Rückmeldungen von den Leuten.» Generell habe sich seit dem Kurs eine Offenheit in den Teams etabliert.
Er hebt noch einen zusätzlichen Vorteil für den Betrieb hervor: In vielen Lebensläufen stecke mehr, als auf den ersten Blick sichtbar sei. Bildung, Erfahrung und Fachwissen schlummern hinter Sprachbarrieren. Dieses Potenzial kann jetzt besser erschlossen und die Mitarbeitenden damit vielfältiger eingesetzt werden. Das stärkt zudem die Verbindung zur Firma – und motiviert zum Dableiben. Abschliessend ergänzt der Abteilungsleiter auch eine gesellschaftliche Verantwortung: «Jeder, der einen Job hat, der keine Sozialhilfe bezieht, jeder, der sich eine sichere Existenz aufbauen kann, der sich hier integrieren kann, hilft uns schlussendlich».
In der Firma Deutsch sprechen
Die Pistor AG wünscht sich, dass die Mitarbeitenden betriebsintern Deutsch sprechen. Letztlich liegt es aber auch in der Eigenverantwortung der Teilnehmenden, das Gelernte umzusetzen. Zum Schluss fragt Carlos Teixeira jedenfalls voller Selbstvertrauen und mit einem Lachen: «Wann ist der nächste Fototermin?»
So wirkt sich die Sprachförderung in der Pistor AG aus
Das Logistikunternehmen Pistor AG investierte am Standort Rothenburg, Kanton Luzern, mit einem komplett massgeschneiderten Kurs für die Grundkompetenzen in die Sprachförderung der Mitarbeitenden – 12 Teilnehmende nahmen an 40 Lektionen während der Arbeitszeit daran teil. Das Pilotprojekt zahlte sich mehrfach aus:
Für die Mitarbeitenden:
- Mehr Sicherheit im Arbeitsalltag
- Besseres Verstehen und Mitreden
- Mut zum Nachfragen und Weiterlernen
Für das Unternehmen:
- Verbesserte Kommunikation im Team
- Flexibler einsetzbare Mitarbeitende
- Stärkere Bindung ans Unternehmen
Für die Gesellschaft:
- Teilhabe durch Sprache
- Chancengleichheit im Alltag
- Abbau von Integrationshürden
Das Know-how und die Flexibilität des Kursanbieters – in diesem Fall das SAH Zentralschweiz – haben wesentlich zum Erfolg des Kurses beigetragen.
Wertschätzung zeigen, Kompetenzen stärken, Integration fördern
Das Förderprogramm «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» unterstützt auch Sie und Ihre Mitarbeitenden: Organisieren Sie einen Kurs für die Grundkompetenzen (Lesen, Schreiben, Rechnen, Computer und Sprache) – direkt im Betrieb, praxisnah und individuell angepasst.
Hier mehr erfahren: einfach-besser.ch/betriebe
Der Erfahrungsbericht zum Kurs der Pistor AG wurde vom Bildungsanbieter SAH-Zentralschweiz für die Publikation auf der Plattform «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» zur Verfügung gestellt. Text und Fotografie: © 2025, Pawel Streit, SAH-Zentralschweiz.