KKL Luzern – Sprachförderung im Event Catering und Casual Dining
Im KKL Luzern lernen Mitarbeitende aus Küche und Service in firmeninternen Kursen Deutsch. Davon profitieren auch langjährige Mitarbeitende, die Mühe mit Lesen und Schreiben haben.
Normalerweise bereitet Thayakaran Manickam Apéro-Häppchen für die kalte Küche im Event Catering des Kultur- und Kongresszentrums Luzern (KKL Luzern) vor. Am Dienstag trifft er sich jedoch mit seinen Arbeitskolleginnen und -kollegen in einem Meetingroom zum firmeninternen Deutschkurs. Das Ziel von Manickam: Er möchte endlich besser Deutsch lesen, schreiben und sprechen können.
Lesen und Schreiben: keine Selbstverständlichkeit
Im Alltag dominierte für Manickam bisher die tamilische Sprache – in Wort und Schrift. Das lateinische Alphabet lernte er nie richtig kennen. So konnte er deutsche Texte bisher kaum lesen, obwohl er schon 20 Jahre in der Schweiz lebt. Seine Möglichkeit für die Kommunikation in der lokalen Landessprache reduzierte sich auf die allernötigsten Dinge.
«Ich kann jetzt die Menükarte lesen und besser Deutsch sprechen.»
Thayakaran Manickam, Mitarbeiter Event Catering
Das ist jetzt anders. Im Kurs liest Manickam einen einfachen Text laut vor. In dieser Stunde unterhalten sich alle untereinander in Deutsch, obwohl mehrere Personen tamilisch-stämmig sind. Es wird viel gelacht. Es ist ein Lernsetting, das die meisten in dieser Form bisher kaum kannten.
Fachlich gut qualifiziert, Deutschkenntnisse fehlen
In einer anderen Kursgruppe unterhält sich Martin Delvò mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Service mit Hilfe eines Kartenspiels über touristische Höhepunkte in der Schweiz.
Delvò kam vor zwei Jahren in die Schweiz, mit einem gastronomischen Abschluss aus Italien in der Tasche. Bei seinem ersten Job als Kellner im Kanton Graubünden merkte er jedoch, dass er sich besser mit den Gästen unterhalten können möchte. Er sprach englisch und italienisch, aber das Deutsch fehlte ihm.
«Ich merkte, dass ich mich mit den Gästen zu wenig gut unterhalten kann.»
Martin Delvò – Chef de Rang Restaurant Lucide
So erkundigte er sich nach seinem Start im KKL Luzern nach Möglichkeiten, Deutsch zu lernen. Dabei stiess er bei seiner Chefin auf offene Ohren. Er war positiv überrascht, dass er sogar im Betrieb Deutsch lernen kann.
Fehler durch falsch verstandene Instruktionen
Denn auch Teamleitende im KKL Luzern stellten fest, dass es mit der Kommunikation im Arbeitsalltag zunehmend Probleme gibt, und dass es dafür Lösungen braucht. Öfters seien Dinge am falschen Ort gewesen, erzählt Simon Ganghofner, Executive Chef Event Catering & Casual Dining. Er bemerkte, dass Fehler passierten, weil die Arbeitsanweisungen nicht oder falsch verstanden wurden. So entstand die Idee für die firmeninternen Deutschkurse.
Die Kurse sollen sich stark an der Praxis der jeweiligen Teams orientieren, damit sich das Gelernte konkret im Arbeitsalltag nutzen lässt. Für die Kursentwicklung konnte Ganghofner Themen einbringen, die ihm wichtig sind. Er wünschte sich beispielsweise, dass die Mitarbeitenden im Event Catering die Richtungsangaben zur Orientierung besser verstehen, oder Fachausdrücke oder küchenspezifische Grundbegriffe richtig anwenden können. Das Unternehmen konnte mit der Kursanbieterin gemeinsam einen Kurs entwickeln, der auf die Situationen am Arbeitsplatz der Mitarbeitenden passt.
Nachfragen, Antworten überlegen
Schon bald nach Kursstart zeigten sich die ersten Erfolge. Die Missverständnisse wurden deutlich weniger, bestätigt Ganghofner. Er erlebte auch mit, wie sich die Mitarbeitenden zunehmend trauen, etwas nachzufragen, oder dass sie sich in einem Gespräch eine Antwort zuerst einmal sorgfältig überlegen.
«Die Kommunikation untereinander ist so wichtig.
Und das nicht nur, damit jemand in hektischen Situationen versteht, was man gerade braucht.»
Simon Ganghofner – Executive Chef Event Catering & Casual Dining
Der Kursteilnehmer Martin Delvò, Chef de Rang Restaurant Lucide kommuniziert nach gut vier Monaten schon viel müheloser in Deutsch. Besonders schätzte er auch, in dem Kurs seine Arbeitskolleginnen und -kollegen besser kennenzulernen.
Thayakaran Manickam sieht man den Stolz förmlich an, dass er jetzt «zur Schule gehen» und Lesen und Schreiben lernen kann. Und das zum ersten Mal nach 20 Jahren in der Schweiz.
Fazit: Von einem gut gemachten Kurs profitieren die Mitarbeitenden und das Unternehmen.
Ganghofner empfiehlt die Kurse deshalb auch allen anderen Betrieben.
Langjährige Mitarbeitende und junge Talente fördern
Firmeninterne Deutschkurse gehören im KKL Luzern zum festen Angebot für die Weiterbildung der Mitarbeitenden. Davon profitieren neben jungen Fachkräften auch langjährige Mitarbeitende mit wenig Schulerfahrung, die sich kaum zu einem gängigen Deutschkurs anmelden würden.
Seit 2023 organisierte der Betrieb drei dieser Kurse à 40 Lektionen im Rahmen des Förderprogramms «Einfach besser! … am Arbeitsplatz»: In der Seebar, in den Restaurants Le Piaf und Lucide sowie für das Team in der Küche im Event Catering. Diese Kurse gelten als Arbeitszeit und sind kostenlos für die Teilnehmenden.
Im Anschluss können die Mitarbeitenden an weiteren Kursen teilnehmen, die das Unternehmen unabhängig vom Förderprogramm organisiert. Damit können die Personen über mehrere Monate ihre Grundkompetenzen in der Gastronomie stärken.
So organisieren Sie einen Kurs für Ihre Mitarbeitenden
Die Erfahrung aus dem KKL Luzern zeigt, dass sich praxisnahe Firmenkurse für Grundkompetenzen direkt am Arbeitsplatz gerade zur Lösung von Problemen im oft hektischen Alltag der Gastronomie lohnen – der Zusammenhalt im Team wird gestärkt, die Arbeitsabläufe werden verbessert.
Auf der Plattform «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» erfahren Sie, wie Sie mit Unterstützung von Bund und Kantonen einen massgeschneiderten Kurs für Ihren Betrieb organisieren können.
www.einfach-besser.ch/betriebe
Cindy Forestiero, Geschäftsführerin im Ristorante Pizzeria da Pippo (Kt. NW) zeigt, wie auch kleine Betriebe Kurse durchführen können.
Zum Videotestimonial Pizzeria da Pippo
Unternehmen: KKL Luzern
Kursanbieterin: ENAIP Internationaler Bund GmbH
Video Kamera und Schnitt: Alessia Rauseo
Redaktionelle Begleitung, Text, Fotografie: SVEB Schweizerischer Verband für Weiterbildung
Alle Fotos: © Christine Bärlocher, SVEB
© 2026 «Einfach besser! … am Arbeitsplatz
Das Video zu diesem Erfahrungsbericht wurde durch ENAIP Internationaler Bund mitfinanziert.